PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bad Reichenhall: Raucherverbot trifft Spielbanken



News
14.03.2009, 19:33
Bad Reichenhall: Nichtraucherschutz trifft die Spielbanken

Rückgang der Spielerzahlen ist auch in Bad Reichenhall zu spüren

Das vor gut einem Jahr wirksam gewordene Gesetz zum Gesundheitsschutz hatte auch auf die bayerischen Spielbanken direkten Einfluss. In Bad Reichenhall wie in Bayern insgesamt gingen die Besucherzahlen um rund 18 Prozent zurück. Mit dem Rückgang beim Bruttospielertrag von 31 Prozent liegt das Reichenhaller Casino sogar um knapp drei Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt aller neuen Spielbanken. Das schlägt auch auf den Reichenhaller Haushalt durch, dem 15 Prozent dieses Ertrages zustehen.

Spielbankdirektor Ralf Item sieht die Durststrecke noch nicht als überwunden an. "Der Einbruch traf uns mit voller Wucht beim Inkrafttreten des Gesetzes, seitdem sind die Zahlen leider konstant geblieben." Beim Automatenspiel sind die Gäste zu 70 Prozent Raucher, beim so genannten "Spiel im Großen Saal" ist der Anteil deutlich geringer. Insgesamt beziffert die Spielbank die Mindereinnahmen mit 2,4 Millionen Euro.

Dass sich die Besuchszahlen von 77000 auf 63000 verringert haben, hat aber unterschiedliche Gründe. Auch eine Spielbank ist wetterabhängig: da ihr Haupteinzugsgebiet etwa 100 Kilometer umfasst, spürt man laut Item "zu gutes ebenso wie zu schlechtes Wetter". Für Reichenhall ergeben sich aber aus der Grenzlage Vorteile im Vergleich zu anderen Standorten, der Besuch aus Österreich ist "relativ stark". Das Bayerische Spielbankengesetz erlaubt pro

Rotlicht-Milieus vermeiden

einer Million Einwohner im Regierungsbezirk eine Spielbank, jedoch nicht in Ballungsräumen wie etwa München. Damit soll die Bildung von Spielerbezirken oder Rotlicht-Milieus vermieden werden. "Wo viel Geld ist, kommt die Kriminalität wie Motten zum Licht" erklärt Item den Gebietsschutz. In reinen Kur- und Erholungsgegenden sei eine entsprechende Entwicklung aber auszuschließen, wie die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige. Oberbayern mit über drei Millionen Einwohnern könnte so auf vier Casinos rechnen, sei aber mit den Standorten Bad Reichenhall, Garmisch-Partenkirchen und Bad Wiessee gut bedient, so Item. Das ertragreichste der drei sei übrigens Bad Wiessee.

Gäste zurückgewinnen

Die jüngst beschlossene Novellierung des Gesundheitsschutzgesetzes werde auch den Spielbanken eine Lockerung des Rauchverbots ermöglichen, teilte Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer Anfang des Jahres mit. Wenn in Nebenräumen wieder geraucht werden dürfe, könnten ins Ausland abgewanderte Gäste zurückgewonnen werden.

2008 war für Reichenhall nicht nur ein Jahr des Einbruchs, sondern auch des Aufbruchs. Im Testcasino der Spielbank wurde die CasinoCard vor ihrer bayernweiten Einführung geprobt und im Automatenspiel eingeführt. Die Karte ermöglicht teilweise bargeldloses Spiel und verringert so unnötigen Münzgeldfluss. Mit dem "Cultino" wurde eine professionelle Kleinkunstbühne in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturverein Sternenzelt vom Magazin 4 eröffnet.

Mit verschiedensten "Glückspaketen", etwa in Zusammenarbeit mit der Rupertustherme, "Ladies Nights" oder "Vollmondabenden" präsentiert sich die Reichenhaller Spielbank als "örtliche Kultureinrichtung" wie Ralf Item erklärt. Da auf keiner der Veranstaltungen Spielzwang herrsche, seien die Angebote auch für Nichtspieler interessant. Dadurch wird die Spielbank als weiterer Veranstaltungsort der Stadt wahrgenommen, der durch seine extravagante Atmosphäre eigene Akzente setze.

Den Niedersachsen Item hat es nach diversen Tätigkeiten - über das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Staatliche Lotterieverwaltung - mit seiner Schweizer Frau und den zwei Söhnen immer weiter nach Süden gezogen. "Es ist ein Glück, eine so interessante Stellung annehmen zu dürfen - die gibt es nur neun Mal auf der Welt" lautet sein Bekenntnis zu Bayern und Spielbank.

Er sieht im Staatsauftrag zum Spielerschutz und vor Spielsucht eines der wichtigsten Merkmale der Spielbanken. "Spielhallen kennen keine vergleichbaren Einlasskontrollen. Erst kürzlich wurde in einer Landkreisgemeinde ein 17-Jähriger beim Glücksspiel aufgegriffen. Wer weist schon wie wir einen "zu guten" Gast freiwillig ab?" Wie die Sicherheit, so ist ihm auch die Transparenz ein hohes Anliegen: "Manche glauben, wir könnten in die Spielabläufe eingreifen, so dass etwa

Alles purer Zufall

ein Jackpot erst nach Auflaufen hoher Summen fällig werde. Aber wir können und dürfen hier in keiner Hinsicht tätig werden."

Es ist als wollten die Automaten ihren Direktor unterstützen: Im Winter 2007 wurde zum Beispiel der Poker-Jackpot zweimal fällig - innerhalb von nur wenigen Stunden. Alles nichts als purer Zufall!

Quelle: <a href="http://www.chiemgau-online.de/lokalnachrichten/tt_text.php?id=24209">http://www.chiemgau-online.de/lokalnach ... p?id=24209</a>