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spielo
22.07.2009, 15:06
Vive la France!
James Graf, Herausgeber und Gaming Consultant

Als das Schweizer Volk über die Abschaffung des Spielbankenverbotes abstimmte, waren mitunter zwei Gründe von Wichtigkeit: Das mit den Spielbanken erwirtschaftete Geld sollte die leere AHV-Kasse füllen und es sollte nicht weiterhin in die Casinos rund um die Schweiz fliessen.

James Graf, Herausgeber und Gaming Consultant
James Graf, Herausgeber und Gaming Consultant
Zwei Argumente, die entscheidend halfen, das Glücksspiel am Tisch und an Automaten in Spielbanken zu liberalisieren. Die Mehrheit der Spielbanken-Betreiber sind nun aber nicht Unternehmen aus der Schweiz, sondern solche aus eben diesen Nachbarländern. Wie viel Geld nun wirklich in der Schweiz bleibt, sei dahingestellt.

Der Bundesrat hat bei der Verteilung der Konzessionen aber kaum damit gerechnet, dass die Franzosen, die in der Schweiz sechs der insgesamt 19 Casinos betreiben und damit in der Westschweiz eine totale Monopolstellung zugesprochen erhalten haben, sich gegenseitig zerfleischen würden. Schon die Konstellation und die Tauschgeschäfte zwischen den Gruppen nur kurz nach der Konzessionsverteilung wirft Fragen auf. Etwa, dass die Gruppe des Casino Divonne ihre jahrelangen Goldgräber-Casinos entlang der Schweiz plötzlich an die Partouche-Gruppe, eine französisch-tunesische Gesellschaft und die Nummer Zwei in Frankreich, veräusserte, machte Schlagzeilen. Dies vor allem deshalb, weil die Divonne-Gruppe damit auch die Konzession in Crans-Montana mit dazu gab. Partouche seinerseits beherrscht
seit Beginn an das Casino Genf-Meyrin. Dabei gehörte das gut gehende Kursaal-Automaten-Casino in Genf der Divonne-Gruppe, die es mit allen Mitteln der damaligen Zürcher Tivolino-Gruppe, dem eigentlichen Pionier im Kursaal-Bereich, streitig machte. Und die Gruppe Partouche, de-ren Hauptanteile Vater und Sohn Partouche in verschiedenen Gesellschaften halten, erwarb seinerseits – im Kampf mit der Barrière-Group, der Nummer Eins in Frankreich – die Companie Européenne de Casinos (CEC), die Nummer Drei im Nachbarland.

Frankreichs Casino-Gigant die Lucien Barrière-Group macht das Spiel bereits in Montreux, Fribourg und Courrendlin und macht neu dem Casino Basel ennet
Frankreichs Casino-Gigant die Lucien Barrière-Group macht das Spiel bereits in Montreux, Fribourg und Courrendlin und macht neu dem Casino Basel ennet
CEC-Präsident André Der Kirkorian, ein Un ternehmer der Transport- und Freizeitpark-Industrie, war der Cousin von Kirk Kirkorian, dem Las Vegas-Mogul. Warum CEC, welche sich auch für die Casinos Genf-Meyrin bewarb, sich so plötzlich zurückzog aus dem Geschäft, ist unbekannt geblieben. Warum dann Barrière, die als Besitzer des Casinos Montreux plötzlich mit Accor Hotel/Casinos fusionierten und so von Accor die Casinos Fribourg und Courrendlin übernehmen konnten, ist bis heute schleierhaft.

Nun aber liegen die Franzosen im Clinch: Das Casino Basel, ebenfalls in französischem Besitz, hat plötzlich eine markante Umsatzeinbusse. Grund dafür ist vor allem das neue Casino nur wenige Autominuten entfernt im elsässischen Blotzheim. Besitzer dieses Casinos wiederum ist die Barrière-Groupe, die sich nebst Courrendlin Standbeine beidseits der Grenzen aufgebaut hat. Dies hat Partouche schon lange; nebst Genf-Meyrin hat es noch vier Casinos, die gleich an Genf angrenzen auf französischem Boden. Ernsthafte Probleme sind Partouche nun aber mit Divonne entstanden. Das nur 55 Kilometer von Genf entfernte Casino war jahrelang die Nummer Eins in Frankreich und hatte auch, als es von Partouche übernommen wurde, noch einen Platz in den Top 10. Nun aber ist das Casino innerhalb von fünf Jahren unter der Partouche-Regie arg in Schwierigkeiten und droht der Gemeinde mit der Schliessung. Die Gemeinde wiederum wirft Partouche quasi vor, das Casino vernachlässigt zu haben. Während Divonnes Umsätze in den Keller fielen, stiegen jene im Genf-Meyrin. Man sieht, es herrscht ein wilder Kampf zwischen den Grenzcasinos und deren französischen Betreibern.

Ende Jahr steht allenfalls eine neue Konzessionsrunde an. Ob der Bundesrat wieder, doch etwas jungfräulich, auf die französische Kar te setzen wird, wenn sich die Franzosen-Casinos in der Schweiz für eine Konzession bewerben würden?

Frankreichs Casino-Gigant die Lucien Barrière-Group macht das Spiel bereits in Montreux, Fribourg und Courrendlin und macht neu dem Casino Basel ennet der Grenze in Blotzheim Konkurrenz
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